Der Krieg der Juristen

Der Krieg der Juristen

Über die Nutzung des Krieges in der öffentlichen Debatte

Die doktrinellen Stellungnahmen der Juristen werden vom Konflikt unmittelbar beeinflußt. Eine doppelte Lektüre des Rechtsdenkens ist dabei am Werk  : durch den Krieg, durch die Wiederentdeckung und Hervorhebung des radikalen Gegensatzes der französischen und deutschen Rechts- und Staatslehre, aber auch in Bezug auf den Krieg, und auf bestimmte Tendenzen zur Kategorisierung und Marginalisierung von manchen Theoretischen Strömungen, die manchmal aufgrund einer vermuteten Verwandschaft mit der deutschen Doktrin verteufelt werden. Die Spaltungen werden in diesem Fall neu interpretiert, indem man sich der Leidenschaften und der Affektivität bedient, die durch den Konflikt erzeugt werden. Wenn also auf der ersten Ebene die Rechtslehre eindeutig im Dienste des Sieges der Nation instrumentalisiert wird, so wird im Gegenteil auf einer zweiten Ebene der Kontext des Krieges geschickt genutzt, manchmal, um eine doktrinäre Opposition zu bestätigen, manchmal, um einepour lire la suite…

Der Krieg der Juristen

Rechtspropaganda und der Große Krieg  : Das Beispiel der Rechts- und Politikwissenschaften von Ferdinand Larnaude (1915)

1915 reist die Weltausstellung vom Alten Kontinent in die Vereinigten Staaten  ; es ist keine Premiere, da Philadelphia, Chicago und St. Louis diese Veranstaltung bereits zuvor veranstaltet hatten. Nach dem schrecklichen Erdbeben von 1906 wird die Stadt San Francisco ausgewählt, um Aussteller aus den vierundzwanzig teilnehmenden Ländern zu empfangen  ; zwischen März und Dezember 1915 empfängt sie etwa neunzehn Millionen Besucher. Wie üblich ist die Veranstaltung um einen Hauptthema artikuliert. Dieses Mal steht der Panamakanal im Mittelpunkt, der ein Jahr zuvor fertiggestellt und eingeweiht wurde  : Die Ausstellung wird zu diesem Anlass in „Panama-Pacific“ umbenannt. Dieser Kanal, dessen gigantische Bauarbeiten 1882 begonnen hatten, ermöglicht eine beispiellose Ausweitung des Seehandels und trägt zur starken Entwicklung der amerikanischen Pazifikküste bei. Trotz Zollstreitigkeiten zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten akzeptiert diepour lire la suite…

Der Krieg der Juristen

Die Pariser Rechtsfakultät verurteilt die Verletzung des Völkerrechts durch Deutschland

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs prangerten die Professoren der Juristischen Fakultät in Paris die „Verletzung aller Grundsätze“ des Völkerrechts durch die Deutschen an, insbesondere die Verletzung der Neutralität Belgiens, die durch Verträgen, die auch Preußen unterzeichnet hatte, garantiert war. Hatte nicht Bundeskanzler Bethmann-Hollweg, „Nachkomme eines der bekanntesten Rechtsprofessoren Deutschlands“ (Moritz Bethmann-Hollweg, einer der Schüler von Savigny), indes gesagt, dass „die Verträge nur Papierlappen sind“  ? An dieses “gottlose Wort” erinnerte der Dekan Larnaude in der Rede vor seinen Kollegen am 7. November 1914 am Vorabend der Wiederaufnahme der Vorlesungen. Dieser vom Patriotismus entflammte Text, der uns aus den Registern der juristischen Fakultät bekannt ist (AJ/16/1799, S. 103-106), ist im Wesentlichen den „Kriegsabläufen unserer barbarischen Feinde“ gewidmet. Ohne näher darauf einzugehen, was er unter die “Invasion der neuen Barbaren”, diepour lire la suite…